Eltern sollen sich Kita-Platz teilen, Qualität rückt in weite Ferne!

Gast-Kommentar von Gerald Kühn

Wir schreiben das Jahr 2013. Fast sechs Jahre sind vergangen seit dem Bund, Länder und Kommunen auf dem sogenannten Krippengipfel den Rechtsanspruch für U3-jährige Kinder beschlossen haben. Seither wird gebaut was das Zeug hält, … müsste man meinen. Doch schon im letzten Jahr kamen die (vorbereitenden) Meldungen: Stadt kann Rechtsanspruch auf Krippenplatz nicht erfüllen; Braunschweig: Sozialdezernent Markurth gibt Bund und Land die Schuld (BZ vom März 2012). Die Bundesfamilienministerin Schröder hält im letzten Jahr noch dagegen: „Ja, wir können das schaffen, wenn Bund, Länder und Kommunen zu ihren finanziellen Zusagen stehen, die sie auf dem Krippen-Gipfel 2007 getroffen haben.“ (Tagesschau.de). Neue „Ausbauprogramme“ wurden aufgelegt. So vermeldet die Süddeutsche Zeitung am 8. November 2012: Einigung zwischen Bund und Länder: Kompromiss im Kita-Streit: Bund und Länder haben sich über zusätzliche Mittel bei der Finanzierung der Kleinkindbetreuung geeinigt. Das Geld reicht aber nur für einen Bruchteil der benötigten Plätze! Die Kommunen haben berechtigter Weise Angst vor Klagen, denn sie werden verklagt, da sie zuständig sind für die Kinderbetreuung. So berichtet die Süddeutsche Zeitung am 7.11.2012: Die Furcht der Kommunen vor den Eltern: Kommunalpolitiker blicken dem August 2013 mit Sorge entgegen: Ab dann soll der Rechtsanspruch auf Krippenplätze gelten. Das könnte eine Klagewelle von ungeahntem Ausmaß hervorrufen. Schon jetzt bereiten viele Städte und Gemeinden Notfallpläne vor.

Man versucht Eltern Geld zu geben, damit Sie nicht auf die Idee kommen Ihre Kinder in die Krippe zu stecken (Herdprämie). Die Abschaffung der Kita-Gebühren in Braunschweig für die 3-6jährigen täuscht darüber hinweg, dass ein Krippenplatz derzeit bis zu 544 € kostet, da überlegen sich viele Eltern ob es sich überhaupt noch lohnt einen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachzugehen. Und, da das alles nicht reichen wird, sollen Eltern sich nun auch noch Kita-Plätze teilen („Kita-Platzsharing“), so sieht es das vor kurzem vorgestellte Aktionsprogramm Kinderbetreuung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes vor.

Auf der anderen Seite laufen Eltern, Erzieher und Gewerkschaften gerade Sturm um bessere Rahmenbedingungen einzufordern, gilt es doch den Bildungs-, Erziehung- und Betreuungsauftrag zu erfüllen. Kleinere Gruppen fordert u.a. die Kita-Volksinitiative, damit eine individuelle Förderung für alle Kinder ermöglicht wird. Eltern fordern mehr Raum für Ihre Zöglinge (Forderungskatalog der nds. Kita- Kreis- und Stadtelternräte)! Und nun das: es soll plötzlich möglich sein kurz- bis mittelfristig die Raum- und Grundstücksgrößen zu verkleinern. Nicht das z.Z. schon jedes Huhn, bezogen auf seine Größe gesetzlich mehr Raum zusteht, sondern es wird vorsichtshalber gar nicht erst versucht die Maßnahmen zeitlich konkret einzugrenzen. Was heißt schon mittelfristig? 4 Jahre, 8 Jahre oder noch länger? Wer glaubt das dies nur übergangsweise wäre, hat auch 2007 fest daran geglaubt, das 2013 genügend Krippenplätze zur Verfügung stehen würden! „Gute Bildung von Anfang an!“ sieht anders aus!

Der Stadtelternrat der Kindertagesstätten sammelt Unterschriften

Am Samstag den 08.12.2012 werden auf dem Kohlmarkt am Brunnen von 11.00 Uhr bis 15.00 Uhr Unterschriften für die Volksinitiative für bessere Rahmenbedingungen in den niedersächsischen Kindertagesstätten gesammelt.

Der Stadtelternrat unterstützt diese Aktion auf dem Kohlmarkt und bittet alle Eltern, die noch nicht unterschrieben haben, diese Gelegenheit zu nutzen oder aber in den Kitas die Bögen zu unterschreiben. Mehr Informationen unter www.kita-volksinitiative.de

Forderungskatalog der niedersächsischen Kita- Kreis- und Stadtelternräte

(Erarbeitet auf dem Landeselternkongress am 29.09.2012 in Braunschweig)

Präambel:

Das Ziel der Elternvertretungen ist es, sich für verbesserte Rand- und Rahmenbedingungen der Kinder -Bildung, -Betreuung und -Erziehung in Tageseinrichtungen für Kinder (Krippe, Kindergarten, Schulkindbetreuung) einzusetzen, die für die Umsetzung des Bildungsauftrages notwendig sind.

Die kostenlose und bedarfsgerechte Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern im Alter von 0-10 Jahren in Tageseinrichtungen für Kinder ist Grundvoraussetzung für das Erreichen von Bildung- und Chancengleichheit.

Allgemeine Forderungen:

  • An den Bedürfnissen der Familien angepasster Ausbau von Tageseinrichtungen und Plätzen für Kinder im Alter von 0-10 Jahren
  • Konsequente Realisierung der UN-Konvention insbesondere über die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen in allen Einrichtungen (Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungeni / Inklusion)
  • Erhöhung des Raumbedarfs pro Kind (z.B. von 2 auf 4m² in KiGas) im Innen- und Außenbereich
  • Grundvoraussetzungen schaffen, für die Gestaltung und Zubereitung von gesundem kostenfreiem Essen mit den Kindern vor Ort
  • Flexibilisierung der Zeitorganisation in allen Bereichen
  • kontinuierliche, verpflichtende Fortbildungen und Qualifizierung des Einrichtungs- und Trägerpersonals
  • Kostenfreier Zugang zu Tageseinrichtungen für Kinder unabhängig vom kommunalen Haushalt (s. Landesverfassung)
  • Budget für die ehrenamtliche Arbeit der Kreis- und Stadtelternräte (z.B. für Dozenten, Tagungen, Material etc.)
  • Verpflichtende Einführung von Kreis- und Stadtelternräten und stimmberechtigte Mitgliedschaft im Jugendhilfeausschuss
  • Eltern erwarten, dass Erzieherinnen ihre Tätigkeiten vorbereiten, evaluieren und in ihrer Qualität regelmäßig sichern können. Die dafür notwendige Zeit muss zur Verfügung gestellt werden.

Krippe:

  • Aufnahme der dritten verbindlichen (Fach)-Kraft im Kita Gesetzii
    Maximaler Betreuungsschlüssel von einer Fachkraft auf vier Kinder (entspricht einer maximalen Gruppengröße von 12 Kindern)

Kindergarten:

  • Reduzierung der Gruppengröße auf 20 Kinder und einen Betreuungsschlüssel von einer Fachkraft auf maximal 8 Kinder
    Verbesserung des Übergangs in die Schule durch eine verbindliche frühe Kooperation mit entsprechenden Grundschulen
  • und verpflichtende Übernahme des Orientierungsplansiii
    Altersgerechte und individuelle Bildungsangebote (keine Verschulung)

Schulkindbetreuung:

  • Ausbau von Horten und oder verlässlichen wohnortnahen Betreuungsformen für Grundschulkinder unter altersgerechten Bedingungen
    Flexible auf die Arbeitszeiten der Eltern abgestimmte Randbetreuungszeiten (vor Schulbeginn 6:00-8:00 Uhr und nach 17:00 Uhr)
  • Gleiche, bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige Betreuung von Schulkindern im Anschluss an den Unterricht in den verschiedenen Einrichtungsformen.
    Schulaufgabenunterstützung durch qualifiziertes Personal
    Altersgerechte weiterführende freiwillige Angebote im Nachmittagsbereich, unter Einbeziehung überwiegend regionaler Kooperationspartner (Vereine, Institutionen, etc.)

1Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Verfahrensordnung des Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen; Vereinte Nationen; Dokumentennummer CRPD/C/4/2
2Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder (KiTaG)
3Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder; Niedersächsisches Kultusministerium

Anlagen:

Kongress der niedersächsischen Kita-, Kreis- und Stadtelternräte

Liebe Kreis- und Stadtelternräte,

im nächsten Jahr (2013) sind Landtagswahlen. Auf Bundes- und Landesebene
ist die Bildungspolitik stark in den öffentlichen Fokus gerückt, nicht zuletzt
durch den ab 2013 bundesweit geltenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.
Um die Belange der Eltern in Niedersachsen gegenüber der Landespolitik
Nachdruck zu verleihen, möchten wir Euch zum:

Kongress der niedersächsischen Kita-, Kreis- und

Stadtelternräte

am Samstag den 29. Sept. 2012
von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr
in das Kulturzentrum Brunsviga, Karlstrasse 35
in Braunschweig

einladen.

Es wäre schön, wenn aus jedem Kreis/jeder Stadt zwei oder mehr
ElternvertreterInnen (oder interessierte Eltern) teilnehmen würden, um ein
möglichst detailliertes Stimmungsbild aus Niedersachsen zu bekommen.
Ziel des Kongresses soll ein Thesenpapier sein, welches wir als niedersächsische
ElternvertreterInnen den politischen Fraktionen im Landtag übergeben wollen.

Der grob geplante Ablauf des Kongresses sieht wie folgt aus:

11:00 Uhr Begrüßung

11:30 Uhr Impulsreferat N.N.

12:30 Uhr Mittag

13:00 Uhr Arbeitsgruppen Krippe/Kita/Schulkindbetreuung

15:00 Uhr Podiumsdiskussion: „Wie geht es weiter mit der Kinderbetreuung in
Niedersachsen“

Frauke Heiligenstedt (SPD, MdL)
Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen, MdL)
Ansgar Focke (CDU, MdL)
Christa Reichwaldt (Die Linke, MdL)

16:30 Uhr Verabschiedung eines Thesenpapieres

17:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Um die Arbeitsgruppen inhaltlich vorbereiten zu können, möchten wir Euch bitten, folgende
Fragen zu beantworten und an uns zurückzusenden:

Geplante Arbeitsgruppen:

  1. Schwerpunktthema Krippe: Welche Teilthemen sollen aus Eurer/Ihrer Sicht behandelt werden?
    (z.B. dritte verbindliche Kraft,…) 
  2. Schwerpunktthema Kita (3-6jährige): Welche Teilthemen sollen aus Eurer/Ihrer Sicht behandelt werden?
  3. Schwerpunktthema Schulkindbetreuung: Welche Teilthemen sollen aus Eurer/Ihrer Sicht behandelt werden?
  4. Sollen zusätzliche oder andere Schwerpunktthemen behandelt werden? (z.B. Themen wie Bildungsauftrag,
    Inklusion o.ä.)

Welches sind die Top 3 Themen in Eurem/Ihrem Kreis oder Eurer/Ihrer Stadt?

(z.B. Braunschweig: 1.) Wiedereinführung der Kita-Gebühren 2.) Ausweitung des
Ganztagsangebotes im Bereich 3-6jährige 3.) Rechtsanspruch Krippe (Erfüllung trotz 35 % Quote nicht sichergestellt)

Da es sehr schwierig ist, alle Adressen der Kreis- und Stadtelternräte in Erfahrung zu bringen, möchte ich Euch/Sie
bitten die Einladung an benachbarte oder befreundete Räte weiterzuleiten und uns in den CC zu nehmen
( vorsitzender@kita-ser-bs.de).

Da es sich um eine ehrenamtlich organisierte Veranstaltung handelt, bitten wir um die Entrichtung einer
Tagungsgebühr von 15 € pro Teilnehmerin/Teilnehmer.

Enthalten ist hierbei die Raummiete, Getränke und ein Mittagssnack.

Bei Bedarf kann während des Kongresses eine Kinderbetreuung organisiert werden.

Um eine Rückmeldung bis spätestens zum 21.09.2012 wird gebeten ( vorsitzender@kita-ser-bs.de). Eine
detaillierte Einladung folgt, sobald die Podiumsgäste und die Referentin/ der Referent feststeht.

Mit freundlichen Grüßen

Gerald Kühn

Für den geschäftsführenden Vorstand des
Stadtelternrates der Kitas in Braunschweig

 

Protokoll 2. Vollversammlung 2011/12-Inklusionsvortrag

Sehr geehrte Eltern,

in den Anlagen finden Sie das Protokoll der 2. Vollversammlung des Kita-Jahres 2011/12 sowie den Vortrag „Inklusion Gedanken eines Elternvertreters“. Der Vortrag kann als Einleitung in das Thema in Ihrer nächsten Beiratssitzung dienen und gerne benutzt werden. Über Rückmeldungen wie weit Inklusion in Ihrer Einrichtung schon angekommen ist würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Gerald Kühn

Anlagen:
Inklusion – Gedanken eines Elternvertreters
Protokoll