Streikprotokolle – wie erleben betroffene Eltern den Streik?

Eine vom Streik betroffene Mutter hat uns tagebuchartige Einblicke in ihren vom Streik geprägten Alltag gewährt und uns erlaubt, diesen Bericht hier abzudrucken. Wir würden uns freuen, wenn weitere Eltern diesem Beispiel folgen und Ihren Alltag schildern könnten. Einblicke wie diese helfen, die Betroffenheit der Eltern nachzuvollziehen und die Forderung nach einem sofortigen Streikende zu untermauern!

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  • Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA): .img
  • Büro des Braunschweiger Oberbürgermeister: .img

Die betroffene Mutter schildert ihre Eindrücke wie folgt:

Freitag, 08.05.2015, 1. Streiktag
Wir probieren die Notbetreuung aus. Mein 4-jähriger Sohn wird gegen 8.00 Uhr von meinem Mann in eine Kita in Braunschweig gebracht, die Notbetreuung anbietet. Um 11.00 Uhr bekomme ich einen Anruf, ob ich meinen Sohn bald abholen könnte. Er weint sehr viel und lässt sich nicht beruhigen. Ich verlasse meinen Arbeitsplatz vorzeitig und hole ihn um 13.00 Uhr ab. Die Arbeit bleibt liegen.

Sonntag, 10.05.2015
Wir übergeben unseren Sohn an meine Eltern bei Mc Donalds an der Autobahnabfahrt Irxleben (Hälfte der Strecke zwischen Leipzig und Braunschweig). Er schreit fürchterlich und weint als er mit dem Auto allein zu meinen Eltern fährt. Er mag zwar seine Großeltern, ist es aber noch nicht gewohnt sie allein zu besuchen.

Montag, 11.05. bis Mittwoch 13.05.2015, 2.-4. Streiktag
Mein Mann und ich können arbeiten gehen aber unser Sohn schläft jeden Abend weinend ein. Eine Belastung für ihn und meine Eltern. Und das Wissen belastet auch uns.

Donnerstag, 14.05.2015, Feiertag
Wir holen unseren Sohn zurück.

Freitag, 15.05.2015, 5. Streiktag
Zum Glück ein Brückentag, wir haben Urlaub.

Montag, 18.05.2015, 6. Streiktag
Ich nehme unseren Sohn für 2 Stunden mit ins Büro. Danach bringe ich ihn zu seinem Opa in Braunschweig, der selbst noch berufstätig ist, sich aber einen halben Tag frei genommen hat. Er weint, bleibt aber da. Ich arbeite von mittags bis abends, um die Dinge zu schaffen.

Dienstag, 19.05.2015, 7. Streiktag
Ich nehme einen Tag Urlaub, um unseren Sohn zu betreuen. Meine Arbeit bleibt liegen.

Mittwoch, 20.05.2015, 8. Streiktag
Mein Mann verlässt das Haus kurz nach 6.00 Uhr, um seine Arbeit so früh wie möglich zu beginnen. Kein gemeinsames Frühstück. Ich nehme unseren Sohn für 2 Stunden mit ins Büro. Danach betreue ich ihn bis 16.00 Uhr bis mein Mann nach Hause kommt und fahre dann selbst ins Büro. Arbeite bis 19.30 Uhr. Kein gemeinsames Abendbrot. Als ich nach Hause komme, schläft unser Sohn.

Donnerstag, 21.05.2015, 9. Streiktag
Unser Sohn wird zu einem Freund gebracht, dessen Eltern sich wegen des Streiks frei genommen haben.In der Nacht auf Donnerstag wird unser Sohn wach und bittet, er will nicht in den „anderen“ Kindergarten gehen.

Freitag, 22.05.2015, 10. Streiktag
Ich nehme meinen Sohn wieder für 2 Stunden mit ins Büro. Die Arbeit von mindestens 4 Stunden bleibt liegen.

Dienstag, 26.05.2015, 11. Streiktag
Ich nehme am Vormittag mit meinem Sohn an der Protestkundgebung der Eltern im Rathaus teil. Anschließend bringe ich ihn mittags zu seinem Opa, der sich extra noch einmal frei nimmt, so dass ich von Mittag an arbeiten kann. Ich arbeite open end, um so viel wie möglich zu schaffen.

Mittwoch, 27.05.2015, 12. Streiktag
Mein Mann wird das Haus kurz nach 6.00 Uhr verlassen, um seine Arbeit so früh wie möglich zu beginnen. Ich werde am Vormittag zu Hause sein und unseren Sohn und einen Freund von ihm zu betreuen. Wenn die Mutter des Freundes nach der Nachtschicht ausgeschlafen hat, wird sie gegen 13.00 Uhr die Kinder übernehmen. Ich werde dann von 14.00 – 20.00 Uhr arbeiten, um meine Arbeit zu schaffen. Mein Mann wird unseren Sohn um 16.00 Uhr von seinem Freund abholen. Ich werde nicht mit meiner Familie Abendbrot essen können. Wenn ich nach hause komme, wird mein 4-jähriger Sohn schon schlafen. Meiner 13-jährigen Tochter werde ich noch ‚Gute-Nacht‘ sagen können.

Wie soll das weitergehen???
WARUM SITZEN SIE DAS THEMA AUS?

Unsere Urlaubstage sind gezählt, da wir auch ein schulpflichtiges Kind haben und die Oster-, Sommer-, Herbstferien überbrücken müssen – ganz zu schweigen von der 3-wöchigen Kita-Schließzeit im Sommer.
Unser Familienleben ist aus der Bahn. Wir sind gestresst und unsere Arbeit im Büro bleibt liegen. Wie lange werden das unsere Chefs noch mitmachen? Wer bezahlt unser zukünftiges unentgeltliche Freimachen, um unseren Sohn zu betreuen?
Unser Sohn wird bei dem ganzen Hin- und Her-Geschiebe zum absoluten Mama-Kind. Er ist durch den Wind! Wahrscheinlich kann ich ihn nach Beendigung der Streikzeit wieder neu eingewöhnen.

Wir leiden unter der ganzen Situation!!!
So wie uns geht es vielen Familien!

Ich habe NULL Verständnis, dass der Machtkampf von Verdi und die harte Haltung der Städte und Kommunen auf dem Rücken der Frauen und Familien und unseren KINDERN ausgetragen wird!!Familie und Beruf sind im Moment NICHT mehr mit einander vereinbar!

Eine wütende, verzweifelte, ohnmächtige Mutter und Architektin